M.I.A. Bio (Laut.de)
In London geboren, auf Sri Lanka die Kindheit verbracht, wieder in London in den Clubs erwachsen geworden und bereits mit Anfang Zwanzig ein viel versprechendes Talent, auf das die weltweite innovationsfreudige Musikszene ein Auge geworfen hat: Das ist kein Märchen, sondern die Geschichte der Maya Arulpragasam.

Ende der Siebziger erblickt Maya im Londoner Osten das Licht der Welt. Die englische Hauptstadt bleibt jedoch nicht lange ihre Heimat, denn bereits nach wenigen Monaten zieht sie mit ihren Eltern zurück in das Geburtsland ihrer Eltern Sri Lanka. Dort erwartet sie die gefährliche Realität eines im Bürgerkrieg liegenden Landes. Umso prekärer macht die Situation, dass der Vater sich aktiv am Kampf zwischen der übermächtigen Sinhalese-Bevölkerung und der tamilischen Minderheit beteiligt. Unter dem Kampfnamen Arular gründet er die militante tamilische Befreiungsgruppe EROS - Eelam Revolutionary Organisation of Students. Für Frau und Kinder folgen darauf lange Jahre der Flucht mit seltenen Besuchen des Vaters und der ständigen Angst, ihn bei einem der zahlreichen Massaker zu verlieren.
Nach Aufenthalten in Indien und der Geburt zweier weiterer Kinder entschließt die Mutter, erneut ins weit entfernte London zu ziehen. Mit Glück und guten Kontakten gelingt ihr und ihren drei Kindern die Flucht aus dem bürgerkriegsgeplagten Land. Für Maya bedeutet die Flucht aus der gefährlichen Heimat jedoch eine Reise vom Regen in die Traufe. Mit nur elf Jahren ist sie in London mit offenem Rassismus konfrontiert, der sie in die Abgeschiedenheit drängt.
Im stillen Kämmerchen konfrontiert sie ihr Radio mit den revolutionären Tönen von Public Enemy und N.W.A., sofort findet sie sich in der Aggressivität der politischen Aussagen und der Aufmüpfigkeit der Rap-Größen wieder. Neben ihrer Liebe zum Hip Hop entwickelt sie außerdem ein enorm kreatives Talent, das sie bis an die angesehene London's Central Saint Martins Art School bringt. Schnell folgen Beteiligungen an kleinen Ausstellungen, bis sie schließlich die Möglichkeit bekommt, ihre erste eigene Vernissage zu halten. Die Ausstellung avanciert zum vollen Erfolg.Ihre Bilder, verschiedenste Schablonentechniken, die tamilische Symbole in schrillen Farben darstellen, finden großen Gefallen und werden ausnahmslos verkauft. Außerdem krönt man die Ausstellung mit einer Nominierung für den alternativen Turner Preis, und Maya bekommt ihren ersten eigenen Bildband mit dem Namen M.I.A. (Missing In Action).
In Folge designt Maya das Artwork des Albums "The Menace" der englischen Band Elastica, die zu der Zeit nicht zuletzt wegen der Beziehung der Leadsängerin Justine Frischmann mit Blur-Frontman Damon Albarn in aller Munde ist. Auf der anstehenden Tour soll Maya außerdem eine Videodokumentation abdrehen. Dort kommt sie in den Kontakt mit der Vorband, den Electroclash-Ikonen Peaches. Merrill Nisker macht die unwissende Maya während der Tour mit der Musikmaschine Roland MC-505 bekannt und entfacht darauf eine weitere kreative Leidenschaft.
Bald gelangen einige ihrer Songs in die Hände des in der Szene nicht ganz unbekannten Ross Orton. Der verpasst dem Track "Galang" den letzten Schliff, und während die Elektro-Rap-Nummer in der Szene für Furore sorgt, nimmt das englische Label XL Recordings M.I.A. unter seine Fittiche. Dort ist die innovationsfreudige Dame neben Hochkarätern wie Dizzee Rascal, The White Stripes, Basement Jaxx oder The Prodigy in guten Händen.
Gleich darauf fliegt sie nach New York, um ihre erste große Liveshow zu performen. Nicht nur die Fans sind von den Songs ihres Debütalbums "Arular" hellauf begeistert, sondern auch der Modemacher Matthew Williamson, der Mayas Track "Sunshowers" gleich zweimal bei einer seiner Modeshows laufen lässt. Außerdem lässt es sich Maya nicht nehmen, mit einigen Hip Hop-Größen zu schäkern. Es fallen Namen wie Cam'ron und sogar Jay-Z. Maya Arulpragasam, vor wenigen Jahren noch Flüchtlingskind auf Sri Lanka, steht am Anfang einer viel versprechenden Karriere.
Für den Nachfolger lässt sich die Vielumjubelte vernünftigerweise eine Weile Zeit. Zunächst denkt sie nicht einmal ans Musik machen, sondern will einfach nur durch die Welt reisen und Menschen kennen lernen. Dort trifft sie dann aber naturgemäß eine ganze Menge Musiker, die ihren Ehrgeiz neu entfachen. In Jamaica, Indien, Trinidad, Australien, Japan und den USA entsteht schließlich das zweite M.I.A.-Album "Kala", das im August 2007 in die Läden kommt.
Aus einer geplanten Album-Produktion von Timbaland wird jedoch nichts, da Maya lange Zeit kein Arbeitsvisum für die USA erhält. Welche genauen Gründe das hat, ist nicht bekannt, der Verdacht liegt aber nahe, dass M.I.A.s lyrische Freizügigkeit in Richtung Gewalt das von Terror-Paranoia geplagte Amerika nicht eben unbeeindruckt ließ. Ganz zu schweigen von Mayas Lebenslauf, den man im US-Heimatministerium auch gefährlich lesen kann.
Schließlich kommt es auf dem Song "Come Around" zumindest zu einer Kooperation mit Timbaland. Ansonsten sind auf "Kala" zahlreiche unbekannte Musiker zu hören, die Maya sampelte oder Songfragmente einspielen ließ, außerdem der nigerianische Rapper African Boy und der Wilcanna Mob, eine Gruppe pubertierender Rapper aus Australien. Insgesamt klingt das Album zu gleichen Teilen anstrengend und aufregend, so viele verschiedene Stile und Samples bringt M.I.A. mal wieder unter einen Hut.